{"title":"Alles neu, alles beim Alten oder doch anders? Every Open Eye von CHVRCHES","slug":"alles-neu-alles-beim-alten-oder-doch-anders-every-open-eye-von-chvrches","url":"https://www.romanjasiek.de/alles-neu-alles-beim-alten-oder-doch-anders-every-open-eye-von-chvrches/","published_at":"2015-09-23T20:07:00.000Z","updated_at":"2026-09-22T12:58:43.000Z","excerpt":"Mein Orakel, meine Glaskugel und mein juckender, rechter großer Zeh sagen mir: Every Open Eye, das zweite Album von CHVRCHES gehört zu den mit größter Spannung erwarteten Alben im Electro- / Synth-Pop-Bereich in diesem Jahr. Ist auch wenig überraschend. Seitdem das Trio aus dem schottischen Glasgow vor etwa drei Jahren auf der Bildfläche aufgetaucht ist, haben sich die Wellen um sie nie wieder so richtig geglättet. Das kann nicht alleine an Lauren Mayberry gelegen haben. Nö, sehr wahrscheinlich ","meta_description":null,"html":"<p>Mein Orakel, meine Glaskugel und mein juckender, rechter großer Zeh sagen mir: <strong>Every Open Eye</strong>, das zweite Album von <strong>CHVRCHES</strong> gehört zu den mit größter Spannung erwarteten Alben im Electro- / Synth-Pop-Bereich in diesem Jahr. Ist auch wenig überraschend. Seitdem das Trio aus dem <strong>schottischen Glasgow</strong> vor etwa drei Jahren auf der Bildfläche aufgetaucht ist, haben sich die Wellen um sie nie wieder so richtig geglättet. Das kann nicht alleine an <strong>Lauren Mayberry</strong> gelegen haben. Nö, sehr wahrscheinlich spielten ihre bis dato überzeugende Mucke sowie ihr geschickter Umgang mit den verschiedensten Kanälen sozialer Medien die&nbsp;gewichtigeren Rollen. Zwei Jahre sind seit ihrem Debütalbum ins Land gezogen und nun gehen sie mit dem oft so schwierigen zweiten Album an den Start. <strong>Every Open Eye</strong> heißt es. Lasst uns nachfolgend doch mal durchleuchten, was sich so getan hat im Hause <strong>CHVRCHES</strong>. Alles neu, alles beim Alten oder doch irgendwas dazwischen?</p><p>Ok, das wird jetzt zur Abwechslung mal etwas einfacher für mich. Das <strong>Glasgower</strong> Trio&nbsp;<strong>CHVRCHES</strong>&nbsp;hat ja schon lichterloh am Electro-Pop-Himmel gebrannt, da war das Debütalbum <a href=\"https://www.romanjasiek.de/chvrches-the-bones-of-what-you-believe-review/\" rel=\"noreferrer\"><strong>The Bones Of What You Believe</strong></a> noch gar nicht draußen. Den kometenhaften Aufstieg zur Sensation dürfte wohl jeder mitbekommen haben, dessen musikalische Bedürfnisse nicht schon mit&nbsp;<strong>Helene Fischer</strong>&nbsp;gedeckt werden. Darum kann ich die Vorstellung von&nbsp;<strong>Lauren Mayberry</strong>,&nbsp;I<strong>ain Cook</strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Martin Doherty</strong>&nbsp;im Folgenden kurz und knapp abhandeln.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/chvrches-pressebilder-2015-1.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"1333\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/09/chvrches-pressebilder-2015-1.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/09/chvrches-pressebilder-2015-1.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1600/2026/09/chvrches-pressebilder-2015-1.jpg 1600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w2400/2026/09/chvrches-pressebilder-2015-1.jpg 2400w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Danny Clinch</span></figcaption></figure><p>Die Geschichte der&nbsp;<strong>CHVRCHES</strong>&nbsp;beginnt im September 2011 und kaum dass sich die drei Musiker zusammengetan hatten mit dem Ziel, eine Indie-Rock-Formation zu schaffen und dabei die Gitarren durch Synthies zu ersetzen, ging es ziemlich schnell ziemlich steil ab. Ratzfatz waren sie im Vorprogramm einiger&nbsp;<a href=\"https://www.romanjasiek.de/chvrches-kundigen-neue-single-an-und-werden-bei-einigen-shows-vorband-von-depeche-mode/\" rel=\"noreferrer\"><strong>Depeche-Mode-Konzerte</strong></a>, verkauften von ihrem Debütalbum mehr als 500tausend Einheiten, spielten innerhalb von nur zwei Jahren sagenhafte 364 Shows (in Worten: dreihundertvierundsechzig!) und nahmen auf dem renommierten <strong>SXSW-Festival</strong> die Auszeichnung als „Best New Act 2013“ entgegen. Diese Mischung aus unverbrauchten, progressiven Synthie-Sounds, die mitreißenden Arrangements, der ewig zuckersüßen&nbsp;<strong>Lauren</strong>&nbsp;und ihrer auffälligen Stimme (die noch immer nicht jedem gefallen wird), die fetzige, auf den Punkt gebrachte Produktion&nbsp;– all das schien zu bestätigen, dass das nächste große Ding gefunden war. Die Erfolge sprechen ja auch für sich.</p><p>Anstatt nun aber auf dem fliegenden Teppich in Richtung Starallüren aufzubrechen und die bestehende, funktionierende Zauberformel über Bord zu werfen, schafften es die drei Musiker, zwischen dem ganzen Getoure und dem Unterwegs-Ideen-in-den-Laptop-Hämmern, sich wieder in das Studio zurückzuziehen, in&nbsp;dem alles begann. Eine umgebaute Drei-Zimmer-Wohnung im Süden <strong>Glasgows</strong> war es, in dem&nbsp;<strong>CHVRCHES</strong>&nbsp;an ihren noch immer höchst fetzigen Sounds schraubten. Sie tauften ihr Studio <strong>Alucard</strong>, was schon ein bisschen nerdig ist, insgesamt aber zum Auftreten der Band passt. Irgendwo zwischen Soundcheck und Tourbus sammelte die Band musikalische Ideen, die in besagtem Studio mit einem Füllhorn an Melodien, Riffs und Loops aufgearbeitet wurden. Später frickelte man an den Vocal-Melodien, die noch später durch <strong>Laurens</strong> Gesang ergänzt wurden, in welchem sie ihre on the road verfassten Texte vorträgt. Thematisch sind es die kleinen, zwischenmenschlichen Problemchen und die großen Gefühle, die&nbsp;<strong>Lauren</strong> behandelt. Herzschmerz und dessen Aufarbeitung und so. Sich schließenden alten und daraufhin öffnenden neuen Türen. Negativen Müll über Bord zu werfen, positiv nach vorn zu schauen, sich nicht zu verbiegen. Und sich nicht vorschreiben lassen, was bzw. wie man zu sein oder was man zu tun und zu lassen hat. Solche Dinge. Abgemischt hat die neue Scheibe&nbsp;<strong>Spike Trent</strong>&nbsp;(u.&nbsp;a. bereits für&nbsp;<strong>Muse</strong>,&nbsp;<strong>Björk</strong>&nbsp;oder&nbsp;<strong>Depeche Mode</strong>&nbsp;tätig) und gemastert wurde es von&nbsp;<strong>Bob Ludwig</strong>&nbsp;(u.a.&nbsp;<strong>Pet Shop Boys</strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>Daft Punk</strong>).</p><p>Und was hat sich musikalisch nun getan? Nichts. Und ich meine buchstäblich nichts.&nbsp;<strong>CHVRCHES</strong>&nbsp;holen ihre Hörer exakt an der Stelle ab, an der sie vor zwei Jahren mit den letzten Tönen von <strong>The Bones Of What You Believe</strong> zurückgelassen worden sind. Wenn die ersten Töne von <strong>Never Ending Circles</strong> aus den Boxen schallen,&nbsp;<strong>Laurens</strong> liebliche Stimme sich über das electropopige Klanggerüst mit den nach wie vor charmanten 80er-Anleihen schmiegt, jepp, dann ist man wieder mitten drin im <strong>Klangkosmos der Glasgower</strong>. Als wäre nüscht gewesen. Als hätten die letzten beiden Jahre nicht stattgefunden. Es fühlt sich an, als sei das Debüt die A-Seite einer Platte und man hätte nur mal kurz die Scheibe umgedreht und könnte sich nun der zweiten Seite widmen. <strong>Leave A Trace</strong>, das vorab ja schon unter anderem mit einem schicken Video gekrönt wurde, setzt die Fahrt im Fahrwasser des eigenen, markanten und inzwischen hinlänglich bekannten Trademark-Sounds konsequent fort. So wie eigentlich alle Songs dieses Albums. Kurz aufhorchen muss man lediglich bei <strong>Keep You On My Side</strong>, das durch einen ziemlich schnellen, ziemlich stampfenden Beat überrascht, mit flirrenden 80s-Synthies begeistert und in Clubs sicher eine gute Figur machen wird. Es klingt wie eine 80er-Disconummer auf Speed. Ziemlich cool.</p><p><strong>Clearest Blue</strong> ist akustisch abermals die dezente Anleihe an Videospielsounds vergangener Tage, <strong>Afterglow</strong> die herzerwärmende Deluxe-Ballade, bei der sicherlich nicht nur ich kollektiv mit den Polkappen dahinschmelze. Es ist alles so vertraut und so gar nicht neu auf diesem Album, dass man&nbsp;<strong>CHVRCHES</strong>, wenn man sie vorher schon nicht leiden mochte, eine gewisse Ideenlosigkeit unterstellen könnte. Fans hingegen werden sagen, dass sie das, was sie schon immer gemacht haben, einfach noch ein bisschen haben reifen lassen und jetzt noch besserererer sind als je zuvor. Vielleicht eher noch ein wenig gedrosselter, nicht mehr sooo überkandidelt. Ich würde sagen, wir treffen uns in der Mitte. Ein paar mehr frische Ideen hätten dem zweiten Album sicher nicht geschadet. Andererseits: Eine Band, die schon vor zwei Jahren den fortschrittlichsten Electro-Pop des Jahres lieferte, hat es naturgemäß sehr schwer, noch zu überraschen. Jedenfalls dann, wenn man der gerade erst erlangten Fan-Base nicht vor den Kopf stoßen möchte. Aber das sind echt alles Luxus- und Erste-Welt-Probleme. Am Ende war es schon immer besser, wenn ein Schuster bei seinem Leisten blieb, als mit irgendwelchen kruden Experimenten das Ergebnis zu versauen. So ist es auch mit <strong>Every Open Eye</strong>.</p><p>In der IT-Branche gilt die olle Binsenweisheit: Never change a running system! Die Einhaltung dieses Leitsatzes ist manchmal sinnvoll, manchmal nicht. Umgemünzt auf die Musikindustrie lässt sich bequem die Behauptung aufstellen, dass so manche Band bzw. mancher Künstler vielleicht besser daran getan hätte, etwas, das funktioniert, nicht zu verändern. Auf das <strong>Glasgower Trio CHVRCHES</strong> lässt sich das jedoch nicht anwenden. Mit einer nahezu erstaunlichen Konsequenz gehen sie auf <strong>Every Open Eye</strong> den Weg weiter, den sie mit ihrem (auch von mir) umjubelten Debüt <strong>The Bones Of What You Believe </strong>eingeschlagen haben. Auch 2015 ist noch <strong>CHVRCHES</strong> drin, wo <strong>CHVRCHES</strong> draufsteht. Und zwar exakt so. Änderungen im Sound müsste man schon mit der Lupe suchen. Man kann es aber auch dabei belassen und sich stattdessen darüber freuen, dass eine der unterhaltsamsten und progressivsten Alternative-Electro-Pop-Bands dieser Tage ganz genau das liefert, wonach es so vielen begeisterten Fans dürstet. Da lässt sich die fehlende Innovationsbereitschaft oder Experimentierfreude gut verkraften. Kurz gesagt: Wer mit <strong>CHVRCHES</strong> damals schon nix anfangen konnte, wird durch <strong>Every Open Eye</strong> nicht bekehrt werden. Wer das aber damals schon großartig fand, feiert die Platte als eine der besten ihrer Art in diesem Jahr ab, betitelt sie vielleicht sogar als Wucht in Tüten. Schon wieder mal. Zu Recht, wie ich finde. Für Album Nummer drei, das gewiss irgendwann folgen wird, dürften sie dann aber gerne einen Schritt weiter gehen. Andernfalls verlöre auch eine Band wie <strong>CHVRCHES</strong> an Leuchtkraft.</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/chvrches_every-open-eye.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"1500\" height=\"1500\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/09/chvrches_every-open-eye.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/09/chvrches_every-open-eye.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/chvrches_every-open-eye.jpg 1500w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Universal Music</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/chvrches-pressebilder-2015.jpg","archived_at":"2026-09-22T12:58:43.915Z"}